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Porsche 964 vs 993, welcher luftgekühlte Elfer passt zu dir

Das Luftkühler-Finale unter sich: der unterschätzte Modernisierer gegen den vermeintlich perfekten Letzten seiner Art. Wir vergleichen Marktwerte, Schwachstellen und Charakter und sagen, welcher der beiden letzten luftgekühlten 911 zu welchem Käufer passt.

von Patrick Leiß · Stand: 11. Juni 2026 · Lesezeit ca. 15 Min
Porsche
Porsche 964 Carrera
Carrera 2/4 · 1989–1994
Note 2: 65.000 EUR · Trend 3 Jahre: +18%
Porsche
Porsche 993 Carrera
Carrera 2/4 · 1993–1998 · letzter luftgekühlte
Note 2: 110.000 EUR · Trend 3 Jahre: +20%

Marktwert direkt verglichen

Zustand Porsche 964 Carrera Porsche 993 Carrera Differenz
Note 1 95.000 EUR 165.000 EUR -70.000 EUR
Note 2 65.000 EUR 110.000 EUR -45.000 EUR
Note 3 44.000 EUR 76.000 EUR -32.000 EUR
Note 4 26.000 EUR 45.000 EUR -19.000 EUR
Note 5 10.000 EUR 18.000 EUR -8.000 EUR

Marktwerte aus dem Chromradar-Index, Stand 11. Juni 2026. Differenz = Wert Porsche 964 Carrera minus Wert Porsche 993 Carrera.

Mit diesem Duell endet eine Ära: Der 964 und der 993 sind die letzten beiden luftgekühlten 911, danach kam die Wasserkühlung und mit ihr eine andere Welt. Der eine modernisierte den Elfer 1989 mit 85 Prozent Neuteilen und wurde dafür jahrelang als Übergangsmodell verkannt. Der andere perfektionierte das Konzept ab 1993 und trägt seither den wertvollsten Titel der Zuffenhausener Geschichte: der Letzte seiner Art. 2026 zeigen beide die stärksten Trends unter den Volumen-Elfern im Chromradar-Index. Dieser Vergleich klärt mit aktuellen Marktdaten, welcher Luftgekühlte zu welchem Käufer passt.

Kurzfazit

Der 964 ist der unterschätzte Einstieg ins Luftkühler-Finale: Note 2 für 65.000 EUR, fahrbereite Exemplare ab rund 10.000 bis 26.000 EUR, klassische Elfer-Silhouette und ein Trend von +18 %, der zeigt, dass der Markt das alte Übergangsmodell-Image längst korrigiert. Der 993 kostet in Note 2 110.000 EUR, also rund 69 % mehr, und liefert dafür die ausgereiftere Technik, das gefälligere Design und den unverkäuflichen Status als letzter luftgekühlter 911. Die Faustregel dieses Vergleichs: Wer das analoge, rohere Erlebnis und den maximalen Gegenwert sucht, kauft einen gepflegten 964 Carrera 2 mit Handschaltung und lückenloser Historie. Wer den abgeklärten Touren-Klassiker und den Blue Chip will, kauft einen 993, am besten mit VarioRam ab Modelljahr 1996. Und bei beiden schlägt der Wartungszustand jede Baureihen-Frage, denn billig ist der Unterhalt in keinem der beiden Fälle.

Die beiden Modelle im Profil

Porsche 964 Carrera (1989 bis 1994)

Der 964 erschien zum 25. Geburtstag des 911 und war trotz vertrauter Optik zu rund 85 Prozent ein neues Auto. Porsche holte nach, was der Markt verlangte: Servolenkung, ABS, Schraubenfedern statt Drehstäbe, verkleideter Unterboden, elektrisch ausfahrender Heckspoiler, ab 1991 serienmäßige Airbags. Zwei Premieren prägten die Baureihe: Zum Start 1989 gab es den 964 ausschließlich als Carrera 4, den ersten allradgetriebenen 911 mit vom Supersportwagen 959 abgeleiteter Technik. Und mit dem Carrera 2 kam 1990 die Tiptronic, die erste Automatik im Elfer. Der 3,6-Liter-Boxer mit Doppelzündung leistete 250 PS, genug für 5,7 Sekunden auf 100 und 260 km/h. Mit dem Carrera Cup startete 1990 zudem der schnellste Markenpokal Europas auf 964-Basis. Insgesamt entstanden laut 911finder nur 63.762 Exemplare, was den 964 zur seltensten 911-Generation macht.

Porsche 993 Carrera (1993 bis 1998)

Vier Jahre Entwicklungszeit und 400 Millionen D-Mark steckte Porsche laut auto motor und sport in den 993, und außer der Dachlinie blieb praktisch nichts unangetastet. Harm Lagaays Entwurf mit flacheren Kotflügeln und Ellipsoid-Scheinwerfern gilt vielen bis heute als schönster Elfer. Technisch brachte der 993 die LSA-Mehrlenker-Hinterachse aus Aluminium, die das nervöse Heck beruhigte, ein neues 6-Gang-Schaltgetriebe und 272 PS aus dem weiterentwickelten 3,6-Liter. Ab Modelljahr 1996 hob die VarioRam-Ansauganlage die Leistung auf 285 PS. Das Spitzentrio bildeten der Targa mit neuartigem Glasschiebedach, der breite Carrera 4S mit Turbo-Fahrwerk und Turbo-Bremsen (6.948 Stück) und der heckgetriebene Carrera S (3.714 Stück). Bis zum Produktionsende im Frühjahr 1998 entstanden 68.881 Exemplare aller 993-Versionen, dann war die luftgekühlte Ära nach 34 Jahren vorbei.

Aspekt964 Carrera993 Carrera
Bauzeit1989–19941993–1998
Stückzahl gesamt63.76268.881
Leistung250 PS (3,6 l)272 PS, ab MJ 1996: 285 PS (VarioRam)
Getriebe5-Gang oder 4-Gang-Tiptronic6-Gang oder Tiptronic (S)
HinterachseSchraubenfedern, MacPherson-PrinzipLSA-Mehrlenkerachse aus Aluminium
Design-Signaturklassische Silhouette, neue Stoßfängerflache Kotflügel, Ellipsoid-Scheinwerfer
Top-VariantenWTL, 30 Jahre 911 (911 Stück)Carrera 4S (6.948), Carrera S (3.714)
H-Kennzeichenkomplett H-fähigrollierend bis 2028

Marktwert und Wertentwicklung

Im Chromradar-Index (Stand Juni 2026) stehen sich die beiden so gegenüber:

Zustandsnote964 Carrera993 Carrera993-Aufpreis
Note 1 (Concours)95.000 €165.000 €+74 %
Note 2 (gut)65.000 €110.000 €+69 %
Note 3 (gebraucht)44.000 €76.000 €+73 %
Note 4 (verbraucht)26.000 €45.000 €+73 %
Note 5 (Projekt)10.000 €18.000 €+80 %

Der 993-Aufschlag von rund 70 Prozent zieht sich bemerkenswert konstant durch alle Zustandsnoten, der Markt bepreist den Titel des letzten Luftgekühlten wie eine eigene Ausstattungslinie. Die Classic-Trader-Marktanalyse bündelt 964 Carrera 2 und 4 aktuell bei 60.000 bis 110.000 EUR, 993 Carrera bei 65.000 bis 105.000 EUR und 4S/S bei 95.000 bis 150.000 EUR, was unsere Index-Linien gut einrahmt. Beim Trend liegt der 993 mit +20 % über drei Jahre knapp vor dem 964 mit +18 %, beides Spitzenwerte im Porsche-Bestand des Index.

Spannend ist der Blick auf die Zyklen: 911finder beschreibt für beide Baureihen nach dem zweiten Boom 2021 bis 2023 eine Konsolidierungsphase mit Seitwärtsbewegung, prognostiziert aber moderate jährliche Zuwächse von 3 bis 5 % (964) beziehungsweise 2,5 bis 4 % (993) bis 2030, mit einem möglichen nächsten Zyklus-Hoch um 2027/28. Für Käufer heißt das: Die aktuelle Verschnaufpause ist eher Einstiegsfenster als Warnsignal, denn die langfristige Linie zeigt klar nach oben. Der 993 hat laut 911finder als Carrera Coupé über 14 Jahre +140 % zugelegt, und der Hiscox-DOX bestätigt mit +1,85 % auf 2.985 Punkte ein stabiles Gesamtumfeld, in dem der Porsche 911 mit knapp 39.000 H-zugelassenen Exemplaren zu den zehn häufigsten Oldtimern Deutschlands gehört.

Die feineren Trennlinien: Jahrgänge und Untergenerationen

Wie schon beim 996-vs-997-Vergleich lohnt der Blick eine Ebene tiefer, denn innerhalb beider Baureihen gibt es klare Sweet Spots:

GenerationBauzeitKennzeichenEinordnung
964 früh1989–1991Zündverteiler-Zahnriemen, frühes Schwungradgünstigster Einstieg, Technik-Updates prüfen
964 spät1992–1994überarbeitete Technik, Airbags serienmäßigder gesuchte 964, Sweet Spot der Baureihe
993 ohne VarioRam1994–1995272 PS, runde Auspuffendrohresolider Einstieg in die 993-Welt
993 VarioRam1996–1998285 PS, eckige Endrohre, Targa und SSweet Spot, von 911finder ausdrücklich empfohlen

Beim 964 konzentrieren sich die bekannten Schwächen auf die frühen Jahrgänge: Die Zahnriemen der Doppelzündverteiler geben gern auf, Schwungrad und Ausrücklager schwächeln, der Lichtmaschinenantrieb macht Ärger. Ein später 964 mit dokumentierten Updates ist deshalb spürbar entspannter. Beim 993 ist die VarioRam-Frage weniger eine Risiko- als eine Charakterfrage: mehr Leistung und besseres Ansprechverhalten gegen einen moderaten Aufpreis. Unsere 964-Kaufberatung und 993-Kaufberatung schlüsseln beide Baureihen im Detail auf.

Schwachstellen und Unterhalt

Das Wichtigste vorweg: Die IMS-Debatte der wassergekühlten Nachfolger spielt hier praktisch keine Rolle, die luftgekühlten M64-Motoren gelten bei Pflege als langlebig, laut Classic Trader sind 300.000 Kilometer ohne Revision erreichbar. Dafür haben beide ihre eigenen Themen. Familienerbe sind die Rostnester an Front- und Heckscheibenrahmen nach unsachgemäßem Scheibentausch (Elferspot empfiehlt, die Dichtungsecken anzuheben), anfällige und teure Klimaanlagen, altersschwache Haubenlifter und die notorische Ölfeuchte an Dichtringen, Ventildeckeln und Ölleitungen, die erst bei echtem Ölverlust zum Alarmsignal wird.

Spezifisch beim 964: teure Steuergeräte für ABS und Allrad-Kraftverteilung (Austausch schnell 1.000 EUR und mehr), das aufwendige Allradsystem des Carrera 4, UV-müde Heckleuchten und schrumpfende Armaturenbretter. Und vor allem die Geschichte seiner Billig-Phase: Als der 964 zeitweise unter 15.000 EUR kostete, landeten viele Exemplare bei Haltern, die sich den Unterhalt nicht leisten konnten, Wartungsstau ist deshalb das größte Einzelrisiko. Spezifisch beim 993: unterdimensionierte Türfangbänder (Knacken beim Öffnen), korrosionsanfällige Aluminium-Bremssättel, Ölverbrauch bis zu einem Liter auf 1.000 Kilometer als konstruktionsbedingte Normalität und beim Cabrio Defekte am elektrischen Verdeckantrieb. Bei beiden gilt: Kleine Inspektionen werden schnell vierstellig, und in dieser Preisklasse gehört vor den Kauf ein Wertgutachten oder eine Spezialisten-Durchsicht.

Markt, Verfügbarkeit und Versicherung

Das Angebot ist bei beiden überschaubarer als bei den wassergekühlten Nachfolgern, aber qualitativ verschieden sortiert. Der 964 ist laut Classic Trader mit 8,3 % der Plattform-Aufrufe eines der gefragtesten Porsche-Modelle überhaupt, das Angebot reicht vom Wartungsstau-Risiko bis zum Sammlerstück, entsprechend wichtig ist die Historien-Prüfung. Beim 993 ist die Spreu-Weizen-Quote besser, dafür sind gesuchte Konfigurationen wie VarioRam-Schalter-Coupés oder gar 4S-Modelle schnell sechsstellig und verschwinden zügig. Beide gehören zu der Generation, deren Poster-Käufer jetzt auf dem Höhepunkt ihrer Kaufkraft sind, ein Mechanismus, den wir im Ratgeber Klassiker der 90er beschrieben haben.

Versicherungsseitig laufen beide als Sportwagen mit H-Kennzeichen-Vorteil: Der 964 ist komplett H-fähig, beim 993 wächst der Bestand bis 2028 vollständig ins H-Fenster. Die Prämien-Spreizung zwischen den Anbietern ist gerade bei sechsstelligen Fahrzeugwerten erheblich, einzelne Versicherer kalkulieren oberhalb von 60.000 EUR Fahrzeugwert spürbar steiler. Unser Klassik-Versicherungs-Vergleich rechnet beide Modelle anbieter-spezifisch durch, die Detail-Unterschiede der Anbieter haben wir im Versicherer-Vergleich aufgeschlüsselt.

Fazit

964 oder 993 ist die Wahl zwischen zwei Lesarten desselben Finales. Der 964 ist die Charakter-Wette: klassische Silhouette, roheres Fahrerlebnis, 45.000 EUR Preisvorteil in Note 2 und ein Image, das sich gerade vom Übergangsmodell zum eigenständigen Kapitel dreht, mit +18 % Trend als Beleg. Der 993 ist der Blue Chip: ausgereifteste Luftkühler-Technik, das vielleicht schönste Elfer-Design und ein Titel, der ihm nicht mehr zu nehmen ist, bezahlt mit einem konstanten 70-Prozent-Aufschlag. Die klügste Entscheidung fällt wie so oft eine Ebene tiefer: Ein später, dokumentierter 964 schlägt einen frühen 993 mit Lücken in der Historie, ein VarioRam-993 mit Scheckheft schlägt beide in der Alltagstauglichkeit, und ein sauberer Wartungsnachweis schlägt alles. Luftgekühlt gewinnt man mit beiden.

Empfehlung nach Einsatzzweck

Maximaler Luftkühler fürs Budget
Porsche 964 Carrera

Der 964 ist der mit Abstand günstigste Weg in einen luftgekühlten 911 mit klassischer Silhouette: In Note 2 trennen ihn 45.000 EUR vom 993, in den unteren Noten bleibt der Abstand prozentual ähnlich groß. Dafür bekommst du dieselbe 3,6-Liter-Basis, 250 PS, 5,7 Sekunden auf 100 und mit 1.350 kg den leichteren Wagen. Sein jahrelanges Schattendasein ist vorbei, die Talsohle liegt weit zurück, und das einstige Manko der ungeliebten Übergangs-Generation dreht sich gerade in Anerkennung als eigenständiger Charakter. Pflicht ist ein Exemplar ohne Wartungsstau, denn billige 964 wurden in der 15.000-Euro-Phase oft auf Verschleiß gefahren.

Ausgereifter Sorglos-Luftkühler für Touren und Alltag
Porsche 993 Carrera

Der 993 ist die abgeklärtere Konstruktion: Hydrostößel statt kostspieliger Ventilspiel-Einstellung, überarbeitetes Zweimassenschwungrad, entlüftete Zündverteiler und die LSA-Mehrlenker-Hinterachse, die das Fahrverhalten spürbar beruhigt. Dazu das neue 6-Gang-Getriebe und auf Wunsch die Tiptronic S. Elferspot bescheinigt ihm zurecht den Ruf, motorseitig weniger Probleme und Kosten zu verursachen als sein Vorgänger. Weil der 993 nie richtig billig war, gibt es zudem deutlich weniger heruntergewirtschaftete Exemplare am Markt. Wer regelmäßig und entspannt luftgekühlt fahren will, ist hier richtig.

Wertanlage und Blue-Chip-Charakter
Porsche 993 Carrera

Der Status als letzter luftgekühlter 911 ist das stärkste Einzelargument des gesamten Vergleichs und strukturell nicht reproduzierbar. Im Chromradar-Index zeigt der 993 mit +20 % über drei Jahre den etwas stärkeren Trend, 911finder dokumentiert für das Carrera Coupé +140 % über 14 Jahre, und mit dem Carrera 4S (6.948 Stück) und dem seltenen Carrera S (3.714 Stück) stehen klar definierte Premium-Varianten bereit. Classic Trader bewertet 4S und S aktuell mit 95.000 bis 150.000 EUR deutlich über den Basismodellen. Beim 964 spielen nur WTL-Modelle und die separaten RS- und Turbo-Pillars in dieser Liga.

Purismus und analoges Fahrerlebnis
Porsche 964 Carrera

So ausgereift der 993 ist, das rohere Erlebnis liefert der 964: 100 Kilogramm leichter als ein vergleichbarer später 993, die kürzere Übersetzung des 5-Gang-Getriebes, die direktere Verbindung zur klassischen Elfer-Welt der Drehstab-Ära, deren Optik er fast unverändert trägt. Mit dem Carrera Cup von 1990 begründete er den schnellsten Markenpokal Europas, sein Fahrverhalten verlangt mehr Aufmerksamkeit und gibt mehr zurück. Wer den Elfer als Maschine erleben will statt als Reise-Sportwagen, nimmt einen handgeschalteten Carrera 2 und bekommt das Erlebnis obendrein zum kleineren Preis.

Haeufige Fragen zum Vergleich

Was unterscheidet Porsche 964 und 993 wirklich voneinander? +
Unter dem Blech sind die beiden enger verwandt, als der Preisabstand vermuten lässt: gleicher 3,6-Liter-Luftboxer als Basis, gleiche Grundarchitektur, gleicher Radstand. Der 964 von 1989 war der große Modernisierungsschritt mit rund 85 Prozent Neuteilen, erstmals ABS, Servolenkung, Airbags, Allradantrieb und Tiptronic im 911. Optisch blieb er aber fast das alte Auto, nur die Stoßfänger verrieten ihn. Der 993 von 1993 drehte das Verhältnis um: Porsche investierte vier Jahre und 400 Millionen D-Mark, ließ praktisch nur die Dachlinie stehen und spendierte flachere Kotflügel, Ellipsoid-Scheinwerfer, die LSA-Mehrlenker-Hinterachse aus Aluminium und ein neues 6-Gang-Getriebe. Kurz gesagt: Der 964 ist klassische Optik mit modernisierter Technik, der 993 ist neues Design mit perfektionierter Technik. Beide sind luftgekühlt, und genau das macht sie heute zum abgeschlossenen Kapitel.
Warum ist der 993 so viel teurer als der 964? +
Im Chromradar-Index kostet der 993 in Note 2 110.000 EUR gegen 65.000 EUR beim 964, ein Aufschlag von rund 69 Prozent, der sich durch alle Zustandsnoten zieht. Drei Gründe tragen ihn. Erstens der Titel: Der 993 ist der letzte luftgekühlte 911, und dieses Finale bepreist der Markt wie eine eigene Ausstattungslinie. Zweitens das Design: Der Entwurf von Harm Lagaay gilt vielen als schönster Elfer überhaupt, während der 964 lange als Übergangsmodell galt. Drittens die Substanz: Weil der 993 nie billig war, blieben ihm die Billig-Besitzer-Jahre erspart, die viele 964 mit Wartungsstau hinterlassen haben, das Angebot ist im Schnitt schlicht besser. Interessant für Käufer: Genau dieses Gefälle macht den 964 zur Aufhol-Wette, denn technisch trennt die beiden weniger, als der Markt aktuell bezahlt.
Welche Schwachstellen teilen sich 964 und 993? +
Einige Baustellen sind Familienerbe. Beide rosten kaum aus eigener Kraft, aber an den Front- und Heckscheibenrahmen entstehen nach unsachgemäßem Scheibentausch Rostnester, die teuer werden, deshalb bei der Besichtigung die Dichtungsecken anheben. Beide haben altersschwache Haubenlifter (günstig) und anfällige Klimaanlagen (teuer, beim 993 sind 2.000 EUR schnell erreicht). Beide Motoren neigen zu Undichtigkeiten an Kurbelwellen-Dichtringen, Ventildeckeln und Ölleitungen; Ölfilm ist kein K.-o.-Kriterium, ernsthafter Ölverlust aber ein Verhandlungs- oder Rückzugsgrund. Und bei beiden gilt: Die Unterhaltskosten sind hoch, kleine Inspektionen werden schnell vierstellig, vernachlässigte Exemplare entwerten jedes Schnäppchen. In der Preisklasse ab 60.000 EUR gehört vor den Kauf eine Spezialisten-Durchsicht oder ein Wertgutachten.
Ist der 964 oder der 993 zuverlässiger? +
Der 993 hat die reifere Technik, weil Porsche gezielt die 964-Schwächen abstellte: Hydrostößel ersetzen die kostspielige Ventilspiel-Einstellung, das Zweimassenschwungrad wurde überarbeitet, die beim frühen 964 anfälligen Zahnriemen der Doppelzündverteiler bekamen ab Werk eine Entlüftung. Beim 964 konzentrieren sich die Problemzonen auf die frühen Jahrgänge bis 1991: Zündverteiler-Zahnriemen, Schwungrad und Ausrücklager, Lichtmaschinenantrieb, dazu generell teure Steuergeräte für ABS und Allrad-Kraftverteilung sowie das aufwendig zu wartende Allradsystem des Carrera 4. Das heißt nicht, dass der 964 unzuverlässig ist: Bei guter Pflege erreichen beide Motoren laut Classic Trader 300.000 Kilometer und mehr ohne Revision. Es heißt nur, dass die Historie beim 964 noch mehr über den Kaufpreis entscheidet als beim 993, dessen Bestand im Schnitt besser gepflegt wurde. Wer auf Nummer sicher gehen will, sucht einen späten 964 ab 1992 mit dokumentierten Technik-Updates oder gleich einen VarioRam-993 mit lückenlosem Scheckheft.
Haben 964 und 993 ein H-Kennzeichen? +
Der 964 ist hier komplett durch: Die Baujahre 1989 bis 1994 haben die 30-Jahres-Grenze nach Paragraf 23 StVZO alle überschritten, jeder originale 964 kann das H-Kennzeichen mit pauschaler Kfz-Steuer und Zugang zu günstigen Klassik-Tarifen führen. Beim 993 läuft das Fenster gerade: Die ersten Fahrzeuge von 1993/94 sind seit 2023/24 H-fähig, die letzten von 1998 folgen 2028, dann ist auch diese Baureihe vollständig Oldtimer. Anders als bei unserem Vergleich 996 vs 997 ist das H-Kennzeichen hier also kein Zukunfts-Katalysator mehr, sondern weitgehend eingepreist. Praktisch relevant bleibt es trotzdem: Versicherer wie OCC oder die Württembergische honorieren den H-Status mit spürbaren Nachlässen, und die pauschale Steuer von 191,73 EUR schlägt die Hubraum-Besteuerung eines 3,6-Liters deutlich. Voraussetzung ist wie immer ein weitgehend originaler Zustand, den ein Gutachten nach Paragraf 23 StVZO bestätigt.
Welche Varianten von 964 und 993 haben das größte Sammler-Potenzial? +
Beim 964 führen die WTL-Modelle (Werks-Turbo-Look) das Feld an: Laut 911finder zeigen sie die stärkste Wertentwicklung der Baureihe und notieren als Coupé um 125.000 EUR, deutlich über den Standard-Carrera. Dazu kommen der Targa des Carrera 4 mit nur rund 1.300 Stück und das Jubiläumsmodell 30 Jahre 911 mit 911 Exemplaren. Überraschung der Marktdaten: Der Carrera 4 notiert inzwischen über dem puristischeren Carrera 2. Beim 993 ist die Hierarchie klar: Der Carrera 4S (6.948 Stück) hat sich laut 911finder als Premium-Variante mit konstantem Abstand etabliert und notiert um 128.000 EUR, der heckgetriebene Carrera S (3.714 Stück) ist noch seltener. RS, Speedster und Turbo beider Generationen spielen in eigenen Preisligen und sind in unseren Marktwert-Profilen separat erfasst. Für alle gilt: Bei sechsstelligen Varianten-Aufschlägen lohnt die Echtheitsprüfung, WTL-Nachbauten und RS-Repliken sind real existierende Risiken.
Schalter oder Tiptronic: was ist beim 964 und 993 die richtige Wahl? +
Der 964 brachte 1990 als erster 911 überhaupt eine Automatik, die 4-Gang-Tiptronic, der 993 verfeinerte sie ab 1995 zur Tiptronic S mit Schaltwippen am Lenkrad. Beide gelten als robust, die Wandlerautomatik kostet aber spürbar Temperament: Beim 964 verlängert sich der Standardsprint von 5,7 auf 6,6 Sekunden. Wertseitig ist die Sache eindeutig: 911finder beziffert den Handschalter-Aufpreis bei identischen 964 auf 10 bis 20 Prozent, beim 993 ist das neue 6-Gang-Getriebe ohnehin die gesuchte Wahl. Eine Kuriosität am Rande: Beim 964 gab es Allrad und Tiptronic nie zusammen, wer automatisch schalten wollte, musste den Carrera 2 nehmen. Faustregel: Sammler und sportliche Fahrer zahlen den Schalter-Aufpreis, Genussfahrer finden in gepflegten Tiptronic-Exemplaren die günstigsten Einstiege in beide Baureihen.

Quellen

Tiefer in die Modelle

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