Ford Escort RS 2000 / RS Turbo Kaufberatung 2026
Heckgetriebener Rallye-Escort der 70er und Turbo-Kompaktsportler der 80er
Diese Kaufberatung behandelt zwei sportliche Escort-Modelle aus unterschiedlichen Epochen: den Escort RS 2000 des Escort II (Mk2) mit Heckantrieb und 2,0-l-Pinto-Motor (110 PS) sowie den Escort RS Turbo mit Frontantrieb und 1,6-l-CVH-Turbomotor (132 PS), gebaut als Series 1 auf Basis des Escort III (Mk3) und als Series 2 auf Basis des Escort IV (Mk4). Sie gibt Empfehlungen für die wichtigsten Varianten und zeigt, worauf beim Kauf zu achten ist. Die Chromradar-Marktwerte (Stand Oktober 2026) reichen von rund 3.000 Euro für einen RS Turbo im Restaurierungszustand bis rund 50.000 Euro für einen RS 2000 in Topzustand.
- Modell-Historie und Bauzeitraum
- Karosserie-Varianten im Überblick
- Motorisierungen im Überblick
- Rost-Hotspots, die kritischen Zonen
- Allgemeine Schwachstellen
- H-Kennzeichen-Voraussetzungen
- Unterhaltskosten pro Jahr (Richtwerte)
- Kauf-Checkliste
- Welcher passt zu dir?
- Varianten im Wert-Vergleich
- Bezugsquellen
- Häufige Fragen
Modell-Historie und Bauzeitraum
Der Escort RS 2000 des Escort II (Mk2) wurde im März 1975 in Großbritannien angekündigt und im August 1975 in Deutschland vorgestellt; auf den Markt kam er laut RS Owners Club im Januar 1976. Anders als beim ersten RS 2000, der bei Ford Advanced Vehicle Operations (AVO) in Aveley entstand, basiert der Mk2-RS 2000 auf der normalen zweitürigen Escort-II-Karosserie und wurde im Ford-Werk Saarlouis gebaut (laut RS Owners Club Australia und weiteren Quellen). Erkennungszeichen ist von Anfang an die schräge Frontpartie aus Polyurethan mit vier Scheinwerfern ("Droopsnoot"). Der 2,0-l-Pinto-Vierzylinder mit obenliegender Nockenwelle und Weber-Doppelvergaser 32/36 DGAV leistet 110 PS und treibt über ein Vierganggetriebe die Hinterachse an, die wie beim gesamten Escort II an Blattfedern geführt ist. Ab September 1978 teilte Ford das Modell in RS 2000 Custom und eine einfachere Basisversion auf. Die Produktion endete 1980; die Angaben zur Gesamtstückzahl schwanken je nach Quelle zwischen rund 10.000 und über 23.000.
Mit dem Escort III wechselte Ford 1980 auf Frontantrieb. Der Escort RS Turbo (Series 1) wurde im Oktober 1984 vorgestellt und von Special Vehicle Engineering entwickelt. Sein 1,6-l-CVH-Motor mit Garrett-T3-Turbolader, Ladeluftkühler und Bosch-KE-Jetronic leistet 132 PS und 180 Nm. Ford plante 5.000 Exemplare für die Homologation in der Gruppe A, wegen der Nachfrage entstanden 8.604 Stück, fast alle in Diamantweiß. Serienmäßig waren Recaro-Sitze, die Räder des RS 1600i und ein Sperrdifferenzial mit Viskokupplung.
Die Series 2 auf Basis des Escort IV folgte 1986 mit gleicher Leistung, größeren Bremsen, serienmäßigem mechanischem ABS, längerer Achsübersetzung und vier Farben (Diamantweiß, Spanischrot, Titangrau, Schwarz). Den RS Turbo gab es ausschließlich als Dreitürer; gebaut wurden beide Serien in Saarlouis. Die Series 2 lief bis 1990, laut Auktionsangaben entstanden rund 22.000 Exemplare.
Karosserie-Varianten
Einheitsausstattung mit Polyurethan-Front und Roll-Top-Sitzen. Note 2 laut Chromradar-Marktwert rund 33.000 Euro.
Ab September 1978 Custom mit Recaro-Netzsitzen, Mittelkonsole und Alufelgen 6J x 13 sowie einfachere Basisversion mit Stahlfelgen; Technik unverändert. Note 2 rund 33.000 Euro, Custom eher darüber.
8.604 Stück, fast ausschließlich Diamantweiß. Liegt klar über der Chromradar-Leiter (Basis Series 2); britische Auktionszuschläge 2025/26 rund 27.000 bis 52.000 Pfund.
Facelift-Karosserie, mechanisches ABS serienmäßig, vier Farben. Note 2 laut Chromradar-Marktwert rund 21.000 Euro.
Motorisierungen im Überblick
Die wichtigsten Triebwerke der Baureihe. Für motorisierungsspezifische Schwachstellen und Marktwerte siehe die einzelnen Modell-Seiten unten.
Einziger Serienmotor des RS 2000 (Escort II), Weber-Doppelvergaser 32/36 DGAV, Längseinbau, Heckantrieb über Vierganggetriebe.
RS Turbo Series 1 (Motorcode LNA) und Series 2 (LNB), Garrett-T3-Turbolader mit Ladeluftkühler, Bosch-KE-Jetronic, Fünfganggetriebe mit Viskose-Sperrdifferenzial, Frontantrieb.
Rost-Hotspots, die kritischen Zonen
Rost ist der mit Abstand wichtigste Wertkiller. Diese Stellen vor dem Kauf zwingend prüfen. Der Schwere-Indikator zeigt den Reparatur-Aufwand.
Schweller (innen hohl)
HochKlassische Escort-Schwachstelle aller Generationen.
Hintere Radläufe und Radhausvorderkanten
HochTypische 70er/80er-Karosseriestelle.
Polyurethan-Droopsnoot-Befestigung (RS 2000)
MittelÜbergang zwischen Kunststoffnase und Blech sowie die Befestigungspunkte auf Rost prüfen.
Aero-Anbauteile-Befestigungen (RS Turbo)
MittelUnter Frontschürze, Radhausverbreiterungen und Seitenschwellern auf Rost prüfen.
Federbein-Aufnahmen vorne
HochStrukturell wichtig, TÜV-Konsequenzen bei Korrosion.
Allgemeine Schwachstellen
Diese Probleme treten unabhängig von der Motorisierung auf. Motorspezifische Schwachstellen findest du auf den einzelnen Modell-Seiten.
- !Zahnriemen (Pinto und CVH) WerkstattBeide Motoren haben eine zahnriemengetriebene Nockenwelle. Bei unbekannter Historie den Wechsel sofort einplanen und Nachweise verlangen.
- !Turbolader und Ladeluftstrecke (RS Turbo) WerkstattGarrett-T3-Lader auf Spiel, Ölverlust und Blaurauch prüfen; Schläuche und Ladeluftkühler auf Undichtigkeiten.
- !Leistungssteigerungen (RS Turbo) WerkstattViele RS Turbo wurden per Chiptuning oder Ladedruckerhöhung verändert. Originalzustand und Eintragungen prüfen, Kopfdichtung und Kühlsystem besonders beachten.
- !Hinterachse RS 2000 selbst oder WerkstattBlattfedern, Federaugenbuchsen und Dämpfer auf Verschleiß prüfen; ausgeschlagene Buchsen machen das Fahrverhalten unpräzise.
- !Polyurethan-Front (RS 2000) WerkstattDie Kunststoffnase altert und kann reißen; gute Originalteile sind knapp.
- !Recaro-Sitze WerkstattWangen und Bezüge auf Verschleiß prüfen; originale Stoffe sind schwer zu bekommen.
- !Nachbauten selbst oder WerkstattZivile Escort wurden zu RS umgebaut. Fahrgestell- und Motornummer prüfen und mit Club-Experten (z. B. RS Owners Club) abgleichen.
H-Kennzeichen, was du wissen musst
RS 2000 (Escort II, 1976–1980) je nach Erstzulassung seit 2006, spätestens seit 2010 vollständig H-fähig. RS Turbo Series 1 (1984–1985) seit 2014/2015, Series 2 (1986–1990) je nach Erstzulassung seit 2016–2020 H-fähig.
- ✓ Erstzulassung mindestens 30 Jahre zurück
- ✓ Weitgehend originaler oder zeitgenössisch veränderter Zustand
- ✓ Guter Erhaltungs- und Pflegezustand
- ✓ Positives Gutachten nach § 23 StVZO durch TÜV, DEKRA, GTÜ oder KÜS
Unterhaltskosten pro Jahr (Richtwerte)
Richtwerte, keine Einzelbelege: grobe Orientierung für die jährlichen Kosten bei Liebhaber-Nutzung mit wenigen tausend Kilometern. Die tatsächlichen Kosten hängen stark von Zustand, Variante, Werkstatt und Eigenleistung ab. Fest steht nur die Kfz-Steuer mit H-Kennzeichen (pauschal 191,73 € für Pkw).
| Versicherung (Klassik-Tarif) | 350–750 Euro |
| Kfz-Steuer | 191,73 Euro (H-Pauschale) |
| Wartung und Inspektion | 300–600 Euro |
| Verschleißteile (anteilig) | 200–450 Euro |
| Jährliche Schraubereien | 300–800 Euro |
| Summe pro Jahr (Richtwert) | ca. 1.350–2.800 Euro pro Jahr |
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Kauf-Checkliste
Diese Punkte vor dem Kauf systematisch prüfen. Idealerweise mit einem Klassiker-Sachverständigen oder im Beisein eines erfahrenen Schraubers.
Karosserie und Rost
- Schweller mit Magneten und Endoskop auf Rost prüfen
- Hintere Radläufe und Radhausvorderkanten untersuchen
- Federbein-Aufnahmen vorne und Schlossträger auf Korrosion
- RS 2000: Polyurethan-Droopsnoot-Befestigung auf Wassereintritt
- RS Turbo: Aero-Anbauteile-Befestigungen auf Rost prüfen
Motor
- RS 2000: Nachweis über den Zahnriemenwechsel am Pinto-Motor (empfohlen alle 30.000 Meilen bzw. rund 48.000 km oder fünf Jahre)
- RS Turbo: Turbolader-Funktion und Ansprechverhalten
- RS Turbo: auf Anzeichen einer defekten Kopfdichtung prüfen (Kühlwasserverlust, Öl im Kühlwasser)
- Kompressionsmessung alle Zylinder gleichmäßig
- Ölstand und Ölqualität, frisches Öl ohne Metallabrieb
Getriebe und Antrieb
- RS 2000: Vierganggetriebe, alle Gänge auf der Probefahrt prüfen
- RS Turbo: BC-Fünfganggetriebe, Synchronisierung und Schaltgestänge prüfen
- Kupplung Pedalweg und Rutschtest
- RS 2000: Blattfedern und Federaugenbuchsen, Geräusche bei Lastwechsel
- RS Turbo: Viskose-Sperrdifferenzial auf Funktion
Originalität und Provenienz
- Fahrgestellnummer mit Club-Unterlagen abgleichen (z. B. RS Owners Club)
- Matching Numbers (Motor- und Fahrgestellnummer)
- RS 2000: Custom- oder Basisausstattung ab September 1978 plausibel
- RS Turbo: Series 1 oder Series 2 eindeutig zuordnen
- Originallack oder Nachlackierung dokumentieren
Innenraum und Dokumentation
- Recaro-Sitze auf Original-Bezug und Wangenverschleiß
- Originales Lenkrad und Instrumente vorhanden
- Lückenloses Scheckheft mit Ford- oder Spezialisten-Stempel
- Pinto- oder CVH-Service-Historie nachweislich
- H-Kennzeichen-Gutachten oder Dokumente für H-Antrag
Welcher passt zu dir?
Entscheidungshilfe nach Käufer-Profil: finde die richtige Motorisierung und Karosserie-Variante für deinen Einsatzzweck.
Escort RS 2000 Custom mit Matching Numbers
Bestausgestattete Version des RS 2000 (ab September 1978). Note 2 laut Chromradar-Marktwert rund 33.000 Euro, Custom-Exemplare eher darüber.
Escort RS Turbo Series 1 in Diamantweiß
Erste Serie mit 8.604 Exemplaren, fast alle in Diamantweiß. Liegt klar über der Leiter der Series 2 (Note 2 rund 21.000 Euro); in Großbritannien wurden 2025/26 rund 27.000 bis 52.000 Pfund erzielt.
Escort RS Turbo Series 2 (Escort IV)
Größere Bremsen, serienmäßiges ABS und längere Übersetzung. Note 2 laut Chromradar-Marktwert rund 21.000 Euro.
Escort RS 2000 in Basisausstattung (ab September 1978)
Gleiche Technik wie der Custom, aber einfachere Ausstattung. Pinto-Mechanik gut zu warten. Werte je nach Zustand ab rund 21.000 Euro (Note 3).
Alle Varianten im Wert-Vergleich
Klick auf eine Variante für die detaillierte Marktwert-Analyse und motorisierungs-spezifische Schwachstellen.
| Variante | Motor | Leistung | Verbrauch | Eignung | Wert (Note 2) |
|---|---|---|---|---|---|
| Escort RS 2000 Custom | 2,0-l-Pinto, 110 PS | 110 PS | 9–12 l/100km | Sammler / Liebhaber | ca. 33.000 Euro, Custom eher darüber |
| Escort RS 2000 (bis 1978 bzw. Basis) | 2,0-l-Pinto, 110 PS | 110 PS | 9–12 l/100km | Sammler / Liebhaber | ca. 33.000 Euro |
| Escort RS Turbo Series 1 | 1,6-l-CVH-Turbo, 132 PS | 132 PS | 8–11 l/100km | Sammler / sportlich | über ca. 21.000 Euro (Leiter Series 2), in Großbritannien deutlich höher |
| Escort RS Turbo Series 2 | 1,6-l-CVH-Turbo, 132 PS | 132 PS | 8–11 l/100km | Sammler / sportlich | ca. 21.000 Euro |
Bezugsquellen, wo du dieses Modell findest
Vier Wege zum Klassiker, jeweils mit typischer Preislage und Risiko. Welcher passt, hängt von Budget, Zeit und gewünschter Absicherung ab.
Gepflegte Exemplare beim Ford-Klassiker-Spezialisten bzw. im freien Handel.
Auf mobile.de, Classic Trader und in der Szene; Rost und Echtheit (Fahrgestell- und Motornummer, Abgleich mit Club-Experten) prüfen.
Gute RS 2000 und RS Turbo werden häufig bei britischen Auktionshäusern wie Iconic Auctioneers angeboten.
Viele RS-Escort stehen in Großbritannien (oft Rechtslenker); für den Import eine Vollabnahme nach § 21 StVZO einplanen.
Häufige Fragen zur Ford-ESCORT-RS-Reihe
Welche Escort-RS-Generation ist die richtige Wahl 2026? +
Was unterscheidet RS 2000 Custom und Basis? +
Wie unterscheidet sich RS Turbo Mk3 von Mk4? +
Wie ist die Ersatzteilversorgung bei RS-Escorts? +
Wie erkenne ich einen echten RS 2000 oder RS Turbo? +
Welche Klassik-Versicherung empfiehlt sich für die RS-Escorts? +
Wie selten sind die RS-Escort heute? +
Konkreten Wert berechnen
Nutze den Marktwert-Check mit allen 9 Bewertungs-Faktoren für dein konkretes Modell, inklusive Laufleistung, Historie und Originalität.
Zum Marktwert-Check- Wikipedia: Ford Escort RS Turbo
- Wikipedia (en): Ford Escort (Europe)
- Wikipedia: Ford Escort
- RS Owners Club: Escort Mk2 RS2000
- RS Owners Club Australia: Escort RS2000 Mk2
- KGF Classic Cars: Escort Series 1 RS Turbo (Stückzahl)
- Iconic Auctioneers: 1980 Escort RS2000 Custom
- Iconic Auctioneers: 1985 Escort RS Turbo Series 1
- Hiscox Pocket Price Guide 2026 (PDF)