MARKTWERT 2026

Alfa Romeo Alfasud

Boxer · Süditalien-Volumen · 1972–1984

Alfa Romeo Alfasud Ti mit Boxer-Motor und Frontantrieb
Foto: OSX · gemeinfrei · Wikimedia Commons

Der Alfa Romeo Alfasud (Tipo 901) ist das Volumenmodell der Marke in den 70er und frühen 80er Jahren. Gebaut wurde er von 1972 bis 1983/84 im eigens errichteten Werk Pomigliano d'Arco bei Neapel, daher der Name „Alfa-Sud“. Mit Boxermotor und Frontantrieb war er technisch ein Bruch mit der Alfa-Tradition. Von Limousine und ti entstanden je nach Quelle 893.719 bis 906.824 Exemplare, dazu 5.899 Giardinetta und 116.552 bis 121.434 Sprint-Coupés; zusammen mit seinem Nachfolger 33 gehört er damit zu den meistgebauten Alfa Romeo. Heute ist der Alfasud trotz seiner einstigen Allgegenwart selten, weil Rost die meisten Exemplare früh von der Straße geholt hat. Die Marktwerte reichen von rund 1.200 Euro für Projekte bis etwa 17.000 Euro für Spitzenfahrzeuge der Volumenvarianten.

Marktwerte nach Zustand

Marktwert-Range mit ±15% Schwankungsbreite. Tatsächlicher Wert variiert je nach Laufleistung, Historie, Originalität und Region.

Zustand Marktwert-Range
Zustand 1 (Topzustand) 14.450 – 19.550 €
Zustand 2 (Gut) 9.350 – 12.649 €
Zustand 3 (Gepflegt) 5.950 – 8.049 €
Zustand 4 (Alltag) 2.975 – 4.024 €
Zustand 5 (Restobjekt) 1.020 – 1.380 €
Bauzeitraum
1972 – 1984
Versicherung (Zustand 2)
280–380 €/Jahr
Produktionszahl
je nach Quelle 893.719 bis 906.824 Limousinen und ti (1972 bis 1983/84), dazu 5.899 Giardinetta; Sprint (116.552 bzw. 121.434) separat
H-Kennzeichen ab
2002

Über den Alfa Romeo Alfasud

Der Alfasud wurde 1971 auf dem Turiner Autosalon vorgestellt, die Produktion lief im Frühjahr 1972 an. Hintergrund war die staatliche Förderpolitik für Süditalien: Alfa Romeo, damals Teil der Staatsholding IRI, baute dafür in Pomigliano d'Arco bei Neapel ein neues Werk. Der Alfasud sollte als bezahlbares Volumenmodell neue Käuferschichten erschließen und Arbeitsplätze im Mezzogiorno schaffen.

Die Konstruktion leitete der Österreicher Rudolf Hruska, die Karosserie zeichnete Giorgetto Giugiaro, für den der Alfasud einer der ersten großen Aufträge seines Studios Italdesign war. Technisch war der Wagen für Alfa neu: Frontantrieb, ein wassergekühlter Vierzylinder-Boxer (anfangs 1,2 Liter mit 63 PS, zuletzt 1,5 Liter mit 105 PS im ti Quadrifoglio Verde), vorn MacPherson-Federbeine, hinten eine Starrachse mit Wattgestänge sowie Scheibenbremsen an allen vier Rädern, vorn innenliegend am Getriebe. Die Karosserie war zunächst eine Fließheck-Limousine mit kleinem Kofferraumdeckel, ab 1981/82 gab es drei- und fünftürige Versionen mit großer Heckklappe.

Berühmt-berüchtigt ist der Alfasud für Rost. Die oft erzählte Geschichte vom minderwertigen Stahl aus der Sowjetunion ist nach Recherchen des Alfa-Historikers Matteo Licata ein Mythos: Das Blech stammte aus italienischen Werken. Die Ursachen lagen in der Fertigung, etwa Schwankungen in den Tauchlackierbädern, durch Streiks im Freien oder in Öfen zwischengelagerte, halb lackierte Rohkarossen und ausgeschäumte Hohlräume, die Feuchtigkeit hielten. Ab etwa 1977/78 verbesserte Alfa den Korrosionsschutz (u. a. Zincrometal-Bleche), mit der dritten Serie ab 1980 weiter. Gut erhaltene Exemplare sind heute selten. Die ti-Versionen, insbesondere der späte ti Quadrifoglio Verde, sind bei Sammlern am gefragtesten.

Motorisierungen

  • → 1.2 Boxer (1.186 cm³) 63 bis 68 PS, 1972 bis 1983
  • → 1.3 Boxer (1.286 cm³) 68 bis 75 PS, 1977 bis 1983
  • → 1.35 Boxer (1.351 cm³) 79 PS, 1978 bis 1983
  • → 1.5 Boxer (1.490 cm³) 85 bis 95 PS, 1978 bis 1984
  • → 1.5 Boxer ti Quadrifoglio Verde 105 PS, 1982/83 bis 1984

Karosserie-Varianten

  • → Fließheck-Limousine 4-türig mit kleinem Kofferraumdeckel (1972 bis 1982)
  • → ti 2-türig (ab 1973; ab 1981 als Dreitürer mit großer Heckklappe)
  • → Dreitürer mit großer Heckklappe (ab Dezember 1981)
  • → Fünftürer mit großer Heckklappe (ab Juni 1982)
  • → Giardinetta Kombi 3-türig (1975 bis 1981, 5.899 Stück)

Typische Schwachstellen

Vor dem Kauf besonders auf diese bekannten Schwachstellen achten:

  • ! Rost ist das dominierende Thema: Türen, Schweller, Kotflügel, Bodenbleche vorn, Scheibenrahmen, C-Säulen, Innenkotflügel um die Federbeindome, die Wanne für Batterie und Heizungskasten sowie die Querlenker prüfen. Erst ab der dritten Serie (ab 1980) besserte sich der Rostschutz deutlich.
  • ! Zwei Zahnriemen (einer je Zylinderbank): Wechsel laut britischen Kaufberatungen etwa alle drei Jahre bzw. 36.000 Meilen, Nachweis verlangen.
  • ! Verschlissene Ventilführungen und Schaftdichtungen zeigen sich durch blauen Rauch beim Start und im Schiebebetrieb.
  • ! Doppelvergaser der ti-Modelle müssen synchronisiert sein; schlechter Lauf kommt oft von falscher Einstellung.
  • ! Getriebe robust, aber die Synchronisierung des zweiten Gangs gibt bei hoher Laufleistung als erstes nach. Für einen Kupplungswechsel müssen Motor und Getriebe ausgebaut werden.
  • ! Innenliegende Bremsen vorn: Beläge schwer zugänglich und anfällig für Ölverschmutzung; hintere Bremssättel setzen sich bei wenig Nutzung fest.
  • ! Elektrik: schlechte Masseverbindungen und korrodierte Stecker, empfindliche Lenkstockschalter.
  • ! Armaturenbrett- und Türverkleidungskunststoffe verziehen oder reißen bei Sonne; Stoffsitze verschleißen an den Wangen.

Worauf beim Kauf achten

  • ✓ Karosserie gründlich prüfen: Magnet, Endoskop und Inspektion auf der Hebebühne sind beim Kauf Pflicht.
  • ✓ Die ti-Versionen und vor allem der späte ti Quadrifoglio Verde (105 PS) sind gesuchter als die Limousinen.
  • ✓ Exemplare ab der dritten Serie (ab 1980) haben besseren Rostschutz und sind deshalb häufiger noch erhalten.
  • ✓ Komplett restaurierte Exemplare mit dokumentierter Karosseriearbeit sind oft besser als „originale“ Alfasud mit verstecktem Rost.
  • ✓ Nach dem letzten Zahnriemenwechsel fragen und den Zustand der Synchronisierung im zweiten Gang auf der Probefahrt prüfen.
  • ✓ Der Sprint (inklusive Sprint Veloce) ist ein eigenes Modell auf Alfasud-Basis und wird separat bewertet.
  • ✓ H-Kennzeichen ist für die ersten Baujahre seit 2002 möglich, ein originalgetreuer Zustand bleibt Voraussetzung.

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Baujahr
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Zustand

In welchem Zustand?

Ehrlich einschätzen — der Zustand beeinflusst den Wert mehr als jedes andere Merkmal.

Häufige Fragen zum Alfa Romeo Alfasud

Was ist ein Alfa Romeo Alfasud 2026 wert? +
Nach Auktionsergebnissen und Angeboten im Oktober 2026 liegt ein Alfasud der Volumenvarianten (1.3/1.5 Limousine oder ti) in gutem Zustand (Note 2) bei rund 11.000 Euro, Spitzenfahrzeuge (Note 1) bei etwa 17.000 Euro. Zum Vergleich: Ein originaler 1982er 1.5 ti erzielte im August 2025 bei Collecting Cars 12.750 Pfund (ca. 14.500 Euro), ein sehr guter 1983er ti Quadrifoglio Verde 2024 bei Evoke Classics 11.000 Pfund, eine gute 1979er 1.5-Super-Limousine 2025 bei Brightwells 7.280 Pfund. Fahrzeuge in Note 3 liegen um 7.000 Euro, Projekte mit Rost starten ab etwa 1.200 Euro, wobei die Karosserierestaurierung schnell teurer wird als der Kaufpreis.
Warum gibt es so wenige Alfasud heute? +
Hauptgrund ist der Rost. Entgegen einer verbreiteten Legende lag das nicht an Stahl aus der Sowjetunion, das Blech kam aus Italien. Die Ursachen lagen in der Fertigung in Pomigliano d'Arco: Probleme in den Lackierbädern, durch Streiks zwischengelagerte, halb lackierte Rohkarossen und ausgeschäumte Hohlräume, die Feuchtigkeit hielten. Erst ab der dritten Serie (ab 1980) wurde der Rostschutz deutlich besser. Von rund 900.000 gebauten Limousinen und ti hat nur ein kleiner Teil überlebt; in Großbritannien schätzt das Magazin Classics World den Bestand auf nur noch rund 100 Fahrzeuge.
Welche Alfasud-Variante ist die beste Wahl? +
Für Sammler: der ti Quadrifoglio Verde (letzte ti-Ausbaustufe ab 1982/83) mit 105 PS, Sportausstattung und Kleeblatt-Emblem; sehr gute Exemplare liegen um 13.000 Euro, Spitzenfahrzeuge auch darüber. Für Alltagsklassiker: der ti 1.5 (85 bis 95 PS) oder eine späte 1.5-Limousine der dritten Serie mit besserem Rostschutz. Der Sprint ist ein eigenes Coupé auf Alfasud-Basis und wird separat bewertet. Die Limousinen sind die günstigsten Einsteiger, aber bei Sammlern weniger gefragt.
Wie rostanfällig ist ein Alfasud? +
Der Alfasud gilt als einer der rostanfälligsten Klassiker seiner Zeit. Kritische Stellen laut britischen Kaufberatungen: Türen, Schweller, Kotflügel, Bodenbleche vorn, Scheibenrahmen, C-Säulen, Innenkotflügel um die Federbeindome, die Wanne für Batterie und Heizungskasten sowie die Querlenker. Auch der Motorraum mit den Aufhängungspunkten ist betroffen. Ein scheinbar sauberer Alfasud kann massiven Unterboden-Rost verstecken. Magneten, Endoskop und idealerweise Hebebühnen-Inspektion sind beim Kauf Pflicht.
Wie hoch ist die Versicherung für einen Alfasud? +
Die Prämie hängt vom Versicherer, dem vereinbarten Wert, Jahresfahrleistung, Stellplatz und Fahrerprofil ab. Mit H-Kennzeichen und Wertgutachten bieten Spezialversicherer für Oldtimer (etwa OCC, Hiscox oder Helvetia) in der Regel deutlich günstigere Tarife als die normale Kfz-Versicherung. Konkrete Beiträge sollten über einen Vergleich mit den eigenen Daten ermittelt werden; bei höherwertigen Exemplaren wie einem ti Quadrifoglio Verde lohnt ein Wertgutachten.
Wo finde ich Ersatzteile für einen Alfasud? +
Mechanische Teile sind laut Kaufberatungen noch gut erhältlich, weil vieles im Alfa 33 und teils im 145/146 weiterverwendet wurde. Alfasud-spezifische Karosserie- und Innenraumteile werden dagegen knapp und kommen oft von italienischen Händlern. Erste Anlaufstellen für Fachfragen und Teile sind Clubs und Foren wie der [Alfaclub e.V.](https://www.alfaclub.de/) und das internationale Forum [AlfaBB](https://www.alfabb.com/). Innenraum-Originalteile (Sitzbezüge, Türverkleidungen) sind besonders knapp und teuer.
Lohnt sich der Alfasud als Wertanlage? +
Nur bedingt. Gut erhaltene Alfasud, besonders der ti Quadrifoglio Verde, sind gesucht, weil nur wenige überlebt haben; Wertsteigerungen sind aber nicht garantiert. Voraussetzungen: rostfreie Substanz (selten und schwer nachweisbar), Originalität, vollständige Historie und H-Kennzeichen. Standard-Alfasud-Limousinen sind weniger geeignet, weil sammlerisch weniger gefragt. Restaurations-Projekte sind risikoreich, weil Karosseriearbeiten schnell teurer werden als der Kaufpreis.

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Datenquellen
Marktwerte: Stand Oktober 2026. Daten dienen als Indikation, keine Bewertung einzelner Fahrzeuge.